Stadtteilspezifische KiTa-Planung statt pauschaler Ausbau-Stopp: SPD positioniert sich und stellt Forderungen

Die Stadt Mannheim zieht die Reißleine und sagt alle in Planung befindlichen KiTa-Aus- und Neubauprojekte ab. Die SPD im Mannheimer Gemeinderat sieht das Vorgehen kritisch und reagiert mit einem Positionspapier. Anstatt pauschaler Kürzungen fordert sie von der Stadtverwaltung die differenzierte Betrachtung der einzelnen Stadtteile und der Sozialräume. Die Anforderungen frühkindlicher Bildung sowie die tatsächlichen Bedürfnissen der Mannheimer Familien gilt es ernst zu nehmen.

„Auf die aktuellen Prognosen muss verantwortungsvoll reagiert werden. Es darf aber nicht der Schluss gezogen werden, den KiTa-Ausbau in Mannheim pauschal zurückzufahren. Stattdessen gilt es differenzierte Entscheidungen auf Grundlage der Situation in den einzelnen Stadtteilen zu treffen. Während in manchen Quartieren die Nachfrage zurückgeht, bestehen andernorts konkrete Bedarfe“, erklärt der jugendpolitische Sprecher Karim Baghlani. Dies gelte insbesondere für wachsende Quartiere wie Franklin und Spinelli. Auch in Stadtteilen mit hohen Kinderzahlen sei ein Rückzug aus dem Ausbauprogramm nicht nachvollziehbar. Deshalb brauche es eine stadtteilbezogene Bedarfsanalyse. Zudem solle die Stadtverwaltung die den Planungen zugrunde liegenden Annahmen und Entscheidungen nachvollziehbar und transparent darlegen.

Eine Planung mit Augenmaß muss insbesondere für die Stadtteile mit erhöhten sozialen Herausforderungen gelten. Die bildungspolitische Sprecherin Dr. Melanie Seidenglanz betont, dass mehr Bildungsgerechtigkeit ein zentrales Ziel Mannheims ist: „Der Bildungserfolg hängt weiterhin in erheblichem Maß von der sozialen Herkunft ab. Besonders in den Sozialräumen 4 und 5 entscheidet sich oftmals früh, welche Chancen Kinder später haben. Deshalb dürfen dortige KiTa-Ausbauprojekte nicht denselben Maßstäben unterworfen werden wie Projekte in Stadtteilen mit völlig anderen sozialen Ausgangslagen. Der Abbau von Bildungsungleichheit ist eine langfristige Aufgabe, die es ernst zu nehmen gilt.“

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell sich Bedarfsprognosen verändern können. Deshalb fordert die SPD-Fraktion flexible und anpassungsfähige Planungen sowie regelmäßige Berichte über die aktuellen Entwicklungen. „Verlässliche KiTa-Strukturen schaffen Bildungschancen für die Kleinsten, stärken Familien im Alltag und tragen dazu bei, qualifizierte Fachkräfte langfristig für den Beruf zu gewinnen und zu halten. Diese Verlässlichkeit steht immer wieder unter Druck. Damit Mannheim auch in Zukunft handlungsfähig ist und auf die Bedarfe seiner Familien eingehen kann, müssen Reserveflächen und Ausbauoptionen für zukünftige KiTa-Standorte vorgehalten werden“, betont der Fraktionsvorsitzende der SPD im Mannheimer Gemeinderat, Reinhold Götz. 

Darüber hinaus fordert die SPD-Gemeinderatsfraktion eine stärkere Einbindung von Elternbeiräten, KiTa-Trägern und Beschäftigten in die Bedarfsplanung. Mit ihrer Erfahrung können sie die tatsächlichen Bedürfnisse von Familien vor Ort realistisch einschätzen. Neben der Anzahl der KiTa-Plätze muss aber auch die Qualität der KiTa-Angebote im Fokus bleiben. Damit einher geht weiterhin der konsequente Ausbau von Ganztagsplätzen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Mannheim zu stärken. „Familien benötigen bedarfsgerechte Angebote, insbesondere mit Blick auf die Öffnungszeiten. Auch im Zuge veränderter Bevölkerungsprognosen darf es keine Abstriche bei der pädagogischen Qualität, der Personalausstattung oder der Inklusion geben“, so der jugendpolitische Sprecher Karim Baghlani abschließend. „Gerade jetzt müssen wir die Chance nutzen, Kinder noch gezielter zu fördern und die bestehenden Angebote weiterzuentwickeln.“ 

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