Das Felina‑Areal im Mannheimer Stadtteil Neckarstadt Ost: ein großes, mehrstöckiges Gewerbegebäude an einer Straßenecke mit Backstein- und Betonfassade. Reihen großer Fenster prägen die Außenansicht, im Erdgeschoss befinden sich Geschäfte mit roten Schildern. Mehrere Autos parken entlang der Straße, Bäume säumen den Gehweg, der Himmel ist leicht bewölkt.

Nach Insolvenz beim Wohnbauprojekt Felina-Areal: SPD Ortsverein Neckarstadt-Ost fordert eine gestalterische Wohnpolitik unter Einbezug öffentlicher, genossenschaftlicher und bürgergetragener Träger

Mit der Insolvenz des Projektentwicklers Cube Real Estate, der für die Entwicklung eines modernen Stadtquartiers im Felina Areal zuständig war, muss die Neckarstadt-Ost einen weiteren Rückschlag bei der Bereitstellung von zusätzlichem Wohnraum hinnehmen. Auch bei dem geplanten Wohnprojekt an der Schafweide, das mit starker öffentlicher Beteiligung entwickelt wurde, ist seit der Rückgabe des Grundstücks durch den Investor im Jahr 2024 keine Besserung in Sicht. Auf der anderen Seite des Neckars sieht es mit Blick auf die Schwierigkeiten bei der Entwicklung des Collini Centers nicht besser aus. Dass dieser zusätzliche Wohnraum nach wie vor dringend benötigt wird, zeigt gleichzeitig schon ein Blick auf den angespannten Mietmarkt.

Nach den vielen Rückschlägen der jüngsten Vergangenheit fordern wir als SPD Ortsverein Neckarstadt-Ost deswegen einen Strategiewechsel bei der Schaffung von Wohnraum: Wo immer möglich, sollten genossenschaftliche und bürgergetragene Träger Vorrang bei der Vergabe von Bauprojekten erhalten und aktiv gefördert werden – etwa durch öffentliche Bürgschaften für Kredite bürgergetragener Bauprojekte. Wo private Träger dennoch zum Zug kommen, muss die Stadt über verbindliche städtebauliche Verträge klare Auflagen zu Fristen, Wohnungsmix und Sozialquoten durchsetzen oder über sektorale Bebauungspläne Einfluss auf die bauliche Qualität nehmen. Im Fall des Felina Areals sollte zunächst aber gelten: Wenn die Insolvenz von Cube Real Estate zu einem Verkauf des Felina Areals führt, sollte die Stadt ihr Vorkaufsrecht geltend machen und gemeinsam mit lokal verankerten, bürgergetragenen Trägern nach Lösungen suchen.

Solche Träger können nicht nur zuverlässige Partner bei der Erschließung neuen Wohnraums sein. Durch den Verzicht auf Gewinnabsichten können genossenschaftliche und öffentliche Modelle nach den Zensusdaten um 20-30% günstigere Mieten anbieten als private Träger und die ständig steigenden Mieten in der Neckarstadt-Ost somit zumindest dämpfen. Anders als bei öffentlich geförderten Sozialwohnungen, deren Mietpreis- und Belegungsbindung nach in der Regel 30 Jahren endet, bleiben die Mieten in solchen Projekten aufgrund ihrer nicht-gewinnorientierten Struktur dauerhaft niedrig.

So fordert Franz Springer, Bezirksbeirat und Vorsitzender des SPD Ortsverein Neckarstadt-Ost: „Gerade in der Neckarstadt-Ost haben genossenschaftliche Träger immer wieder gezeigt, dass sie unter den richtigen Bedingungen auch Wohnbauprojekte in größerem Umfang stemmen können. Bürgergetragene Träger sollten daher bevorzugt bei der Vergabe von Wohnbauprojekten bedacht und bei deren Umsetzung unterstützt werden. Wo das nicht möglich ist, kann die GBG als zentraler wohnungspolitischer Akteur eingebunden werden. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen sich Baukosten dynamisch entwickeln, müssen öffentliche Träger ihre Verantwortung für bezahlbaren Wohnraum wahrnehmen.“

Dass vermeintliche Effizienzargument privater Träger wird von den vielen gescheiterten Bauvorhaben der letzten Zeit widerlegt. Frank Bröhan, Bezirksbeirat für die Neckarstadt-Ost, merkt dazu kritisch an: „Die Vergabe zentraler Stadtentwicklungsprojekte an private Träger ist immer wieder gescheitert. Wie die Fälle um das Felina-Areal und die Schafweide gezeigt haben, führen diese oft nach langen Planungs- und Vorbereitungsphasen ins Aus, ohne dass eine einzige neue Wohnung entsteht.“ Gleichzeitig gestaltet sich die Intransparenz der privaten Träger, die ihre Zeitpläne wie beim Felina Areal immer wieder gerissen haben, ohne die Öffentlichkeit klar über Grund und Dauer der Verzögerung zu informieren, zunehmend zum Problem. Diese Verzögerungen führen nicht nur zu teils jahrelangem Stillstand, in denen auch keine Zwischennutzungskonzepte entwickelt und umgesetzt werden können. „Die gescheiterten Wohnprojekte, die wie bei der Schafweide teils mit öffentlichen Beteiligungsverfahren vorbereitet wurden, untergraben auch das öffentliche Vertrauen in die Stadt, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen,“ so Bröhan.

Eine stärkere Einbindung von bürgergetragenen und öffentlichen Trägern würde dabei nicht nur die Planbarkeit von wichtigen Wohnprojekten verbessern, merkt Nicolas Garrido, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsverein Neckarstadt-Ost, an: „Nur durch die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern kann letztlich auch eine soziale Durchmischung und eine echte Integration neuer Wohnprojekte in das Stadtteilleben sichergestellt werden.“ So waren im Felina Areal selbst überwiegend kleine Ein- und Zweizimmerwohnungen geplant. „Das mag ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept für einen privaten Träger mit Gewinnabsicht sein. Mit Blick auf ein lebendiges und vielseitiges Stadtleben muss man die homogene Belegung von großen Wohnprojekten aber kritisch betrachten,“ so Garrido. Nora Dreier, SPD Bezirksbeirätin für die Neckarstadt-Ost, ergänzt: „Gerade für Familien, die von den sozialpolitischen Einschnitten derzeit schon stark belastet sind, fehlt es ohnehin an passendem Wohnraum in der Neckarstadt-Ost und den angrenzenden Stadtteilen. Hier ist eine aktive und gestalterische Wohnpolitik durch die Stadt Mannheim gefragt, die Rücksicht auf die Belange aller Bürgerinnen und Bürger nimmt.“

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