Zurück in die Steinzeit? – Schottergärten erobern die Vorgärten. Ein Trend mit ökologischen Folgen?

In den letzten zwei Jahren nimmt der Trend hin zum Schottergarten immer mehr zu. Gartenbesitzer setzen auf Schotter statt auf Pflanzen. Man denkt, es sei weniger Pflegeaufwand zu betreiben und kostengünstiger.

Auf Einladung der SPD-Gartenstadt zur Veranstaltung “Blühende Vielfalt statt Schotter und Kies – Wie wichtig sind naturnah gestaltete (Vor-)Gärten für unser Ökosystem?“ gaben Werner Meier-Büermann, (Diplom Agraringenieur) vom Gemeinschaftswerk Arbeit und Umwelt e.V., Wolfgang Blumtritt (Imker) und Lothar Mark MdB a.D. (Geograf) Informationen und Anregungen, wie wichtig blühende Pflanzen für unser Ökosystem sind.

In seinem Eingangsstatement erklärte Lothar Mark, dass zwischen echten Steingärten und den neuen Steingärten (Steinwüsten) zu unterscheiden sei. Steingärten nach alpinem Vorbild bieten den Insekten Nahrung, Schottergärten sind nicht oder nur wenig bepflanzt und ökologisch wertlos. Wer seinen Garten mit Steinen abdeckt und unter die Steinschicht ein Vlies oder gar eine Betonschicht legt, erwartet weniger Arbeit, doch auch Steingärten brauchen viel Pflege. Moos und Unkraut muss regelmäßig entfernt werden. Naturnahe Gärten machen die gleiche oder sogar weniger Arbeit. Ein blühender Garten hat große Vorteile für die Natur, Schmetterlinge, andere Insekten und vor allem für uns Menschen. Gerade Vorgärten und kleine Grünflächen haben eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt und das Klima in der Stadt. Grünflächen liefern saubere und frische Luft, Steinflächen dagegen heizen sich auf und speichern Wärme, die sie nachts wieder abstrahlen.

Werner Meier-Büermann bestätigte, dass Schottergärten zwar im ersten Jahr wenig Arbeit machen, danach aber umso mehr. Schottergärten sind pflegeintensiv und teuer, bieten Insekten keine Nahrungsquelle, dämmen nicht den Lärm, werden schnell unansehnlich durch Moose und Pflanzenwuchs und der Feinstaub wird nicht gefiltert, die Staubbelastung steigt. Versuchsweise wurde im zentralen Lehrgarten eine 10 qm große Schotterfläche angelegt, die mittlerweile wieder naturnah zurückgebaut wurde. Liegt unter dem Kies gar eine Plane oder Beton, so wird der Wasserabfluss verhindert und ein modriger und fauliger Geruch kommt auf. Wenig Arbeit im Vorgarten macht der Kräuteranbau, diese seien pflegeleicht und blühen auch schön wie zum Beispiel der Schnittlauch. Auch Wiesenblumen seien eine gute Alternative, man muss maximal zweimal im Jahr mähen und die Schmetterlinge und Bienen freuen sich.

Wolfgang Blumtritt ist seit 1977 Imker, im Zentralen Lehrgarten ist er seit 2004 ehrenamtlich tätig und betreibt dort eine Imkerei mit pädagogischen Zielen, für ihn ist es ein Hobby. Er erklärte, wie wichtig Bienen für uns Menschen sind und dass es einen erheblichen Teil unserer Nahrungsmittel ohne Bestäubung der Insekten nicht gäbe. Bienen produzieren nicht nur Honig, unter anderem wird auch das Bienengift für die Erstellung medizinischer Erzeugnisse eingesetzt. Weltweit schwindet die Zahl der Bienenvölker: der Klimawandel spielt beim Bienensterben ebenfalls eine Rolle wie auch der Einsatz von Pestiziden. Auch die Asiatische Hornisse, die sich mittlerweile in Europa ausbreitet und auch unlängst in der Gartenstadt/Käfertal gefunden wurde, frisst ganze Bienenvölker auf. Es sei ein Umdenken notwendig, bei Politikern, Behörden und in der Bevölkerung, um den Bienen zu helfen. Pflanzengifte sollten in den Gärten verboten werden.

Schottergärten sind biologisch gesehen tot und bieten den meisten Insekten keine Nahrung und Lebensraum.

Andrea Jessen, Vorsitzende der SPD Gartenstadt: „Wenn die Biene nicht mehr summt und der Vogel nicht mehr zwitschert ist auch unsere Lebensgrundlage eines Tages eingeschränkt. Aus Umwelt- und Klimasicht ist ein Schottergarten kritisch zu bewerten. Wie wir heute erfuhren, sind sie auch nicht pflegeleicht. Es gibt daher gute Gründe auf Schottergärten zu verzichten. Von einem Verbot sollte man jedoch bei Altbeständen Abstand nehmen. Unsere Kinder danken es uns, wenn wir freiwillig eine Blühverpflichtung eingehen. Jeder kann einen Beitrag leisten!“

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