KiTa-Planung mit Weitblick gestalten – Betreuungsqualität, Ganztagsangebote und soziale Bedarfe im Fokus

Nach der Ankündigung der Stadtverwaltung, aufgrund neuer Bevölkerungsprognosen den Aus- und Neubau von 60 stadtweiten KiTa-Projekten einzustellen, plädiert die SPD-Gemeinderatsfraktion für ein Vorgehen mit Bedacht. Anstatt den weiteren KiTa-Ausbau vorschnell zu stoppen, soll die Planung verantwortungsvoll weiterentwickelt werden.

„Der massive Ausbau der Kinderbetreuungsplätze in den vergangenen Jahren war richtig und notwendig. Mannheim hat damit auf steigende Bedarfe reagiert“, erklärt die bildungspolitische Sprecherin Dr. Melanie Seidenglanz. „Wenn sich die Geburtenrate nun deutlich verändert, muss die Stadt darauf verantwortungsvoll reagieren. Das darf aber ausdrücklich nicht bedeuten, bei frühkindlicher Förderung und Bildung zu sparen. Vielmehr muss weiter konsequent in Qualität, Fachkräftegewinnung und gute Betreuungsschlüssel investiert werden.“ Dabei müsse für Seidenglanz die Sozialraumindikation Beachtung finden: „Gerade in sozial benachteiligten Stadtteilen leisten KiTas einen unverzichtbaren Beitrag zu Integration, Chancengleichheit und Teilhabe.“

Der jugendpolitische Sprecher Karim Baghlani widerspricht zudem der Interpretation der Stadtverwaltung, wonach ein vermeintlich wiederkehrendes traditionelles Familienbild oder gar die Betreuungskosten als Argument für eine reduzierte Ausbauplanung dienen können: „Wenn Eltern ihre Arbeitszeit reduzieren oder eine berufliche Tätigkeit ganz aufgeben, liegt das oftmals nicht an einem gesellschaftlichen Wertewandel, sondern schlicht an fehlenden oder unzureichenden Betreuungsmöglichkeiten. Daraus abzuleiten, dass weniger Kinderbetreuung benötigt wird, wäre der falsche Schluss. Viele Familien wünschen sich eine partnerschaftliche Aufteilung von Job und Kinderbetreuung. Die Realität sieht dann leider oftmals anders aus.“ Für ihn bleibt daher der Ausbau von Ganztagsangeboten zentral: „Die verlässliche Ganztagsbetreuung ermöglicht erst ein modernes Familienmodell.“

Der Fraktionsvorsitzende Reinhold Götz stellt die Notwendigkeit einer langfristigen Planung heraus: „Die Mannheimer Familien brauchen Planungssicherheit. Daher sollten in jedem Fall Ausbaumöglichkeiten in den Stadtteilen vorgehalten werden, um handlungsfähig zu bleiben, falls der Bedarf an KiTa-Plätzen perspektivisch wieder steigt.“ Zudem kritisiert er das gewählte Vorgehen der Verwaltung: „Wir halten es für ausgesprochen unglücklich, dass die Debatte von der Stadtverwaltung über Pressemeldungen angestoßen wird, bevor im zuständigen Ausschuss darüber beraten wurde. Die endgültige Entscheidung über die weitere KiTa-Ausbauplanung trifft schließlich der Gemeinderat. Bis zum Herbst erwarten wir eine transparente Diskussion auf Grundlage belastbarer Zahlen und einer vorausschauenden Bedarfsplanung für jeden einzelnen Stadtteil. Dabei gilt es auch die Auswirkungen zu beachten, die die Einführung eines kostenfreien dritten KiTa-Jahrs durch das Land auf die tatsächliche Nachfrage haben kann.“

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